Hüter des heiligen Hofnamens

Ein Genanntname (auch Vulgoname) ist ein Name, bei dem der Name eines Bauernhofes oder eines Guts den Namen einer Person ergänzt, zum Beispiel "Buschsieweke genannt Großeotto" oder "Rietmann gt. Higemann" oder "Jakobfeuerborn gen. Clasbrummel" (alle Beispiele echt).

Manchmal hinterließ ein Bauer keine männlichen Erben, so dass sein Hof durch Verkauf oder Einheirat an einen Fremden ging. Der Hofname sollte durch die Übernahme aber nicht verloren gehen. So wurde es besonders in Westfalen Brauch, dass der Neue den Namen des früheren Hofbesitzers an seinen eigenen Namen anhängte - nach dem damals herrschenden Grundsatz "Der Hof ist alles, der Mensch ist nichts - Namen vergehen, Höfe bestehen.".

"Ahnepohl genannt Hagemann" heißt also z.B., dass einst Bauer Ahnepohl die Witwe Hagemann, Erbin des Hagemann-Hofs, geheiratet hatte.

In Preußen endete diese Regelung am 7. Dezember 1816, dem sogenannten Versteinerungsdatum. Es trat ein Gesetz in Kraft, nach dem jeder nur noch den Namen führen durfte, den er an diesem Tage besaß. Es gab jedoch eine Sonderregel, die es weiterhin ermöglichte, einen Genanntnamen auf den direkten Erben (nicht auf die Geschwister!) zu übertragen.

Manchmal gibt es aber auch eine gänzlich andere Erklärung für einen Genanntnamen.

Bild GenanntnamenGestatten, Großeohnehof genannt Erbschleicher